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AI · BUSINESS · KLARTEXT
KW 38 / 2026 | Das Muster dieser Woche: Gemessen wird die Einführung. Entschieden wird an der Umsetzung, und dort sind die Zahlen einstellig.
Die KfW hat im Mittelstandspanel erstmals gemessen, was KI-Nutzung bei deutschen Mittelständlern tatsächlich bewirkt. Bitkom meldet parallel, dass die Mehrheit der Unternehmen KI einsetzt, und im selben Datensatz, dass kein einziges befragtes Unternehmen sein Potenzial für ausgeschöpft hält. Zwei weitere Erhebungen benennen die Datenaufbereitung als größten Kostenblock, bei KI-Agenten klafft die Lücke zwischen Pilot und Betrieb besonders weit. Dazu der Stand der CRA-Umsetzung im Maschinenbau und die Frage, wer eigentlich mitliest, wenn Ihre Mitarbeitenden mit einem Chatbot arbeiten.
Die Sorge, zu spät dran zu sein, prägt gerade viele Entscheidungen. Sie ist unbegründet. Eingeführt ist in den meisten Unternehmen längst etwas, oft mehr, als die Geschäftsführung weiß.
Was fehlt, ist der Teil danach. Die Erhebungen dieser Woche zeigen quer über Branchen und Ländergrenzen dasselbe Bild: Die Nutzung steigt schnell, der messbare Ertrag kaum, und der größte Kostenblock liegt dort, wo ihn niemand erwartet hat. Nicht bei Lizenzen, nicht bei Rechenleistung, sondern bei der Arbeit an den eigenen Daten.
Diese Arbeit hat ein Vermarktungsproblem. Sie lässt sich nicht vorführen. Es gibt keinen Demotermin für ein bereinigtes Stammdatenverzeichnis und keine Präsentation für eine geklärte Zuständigkeit. Deshalb steht sie in keinem Angebot und in keinem Budget, und deshalb taucht sie später auf, als Verzögerung.
Wer in diesem Herbst über ein KI-Budget entscheidet, hat zwei Möglichkeiten. Noch ein Werkzeug kaufen, weil das schnell geht und sichtbar ist. Oder fragen, welcher Anteil des Budgets auf die Daten entfällt, und die Antwort ernst nehmen, wenn sie unter der Hälfte liegt.
Abgeleitet aus den fünf Meldungen, die unten stehen. Alles andere aus dieser Woche habe ich weggelassen.
KfW misst die Wirkung: 7.600 Euro mehr Wertschöpfung je Vollzeitkraft. Mit einer Einschränkung, die man kennen sollte.
Die KfW hat in der 23. Welle ihres Mittelstandspanels die Geschäftszahlen von KI-Nutzern und vergleichbaren Nicht-Nutzern gegenübergestellt, nach Kontrolle für Größe, Branche, Qualifikationsstruktur, Innovationstätigkeit, Absatzmärkte und Bonität. Ergebnis: rund 1,1 Prozentpunkte höheres Umsatzwachstum, 4,5 gegenüber 3,6 Prozent Umsatzrendite und rund 3,4 Prozent höhere Arbeitsproduktivität, also etwa 7.600 Euro mehr Wertschöpfung je Vollzeitbeschäftigtem. Auswertungsstichproben zwischen 4.400 und 6.200 Unternehmen. Die KfW weist ausdrücklich auf Korrelation statt Kausalität hin.
Warum es zählt: Das ist die erste belastbare Zahl für einen Business Case, weil sie aus der einzigen repräsentativen Mittelstandserhebung stammt und nicht aus einer Anbieterumfrage. Die Einschränkung gehört dazu: Umsatz- und Renditevorsprung konzentrieren sich auf Unternehmen, denen es ohnehin gut ging. Wer KI einführt, um eine schwache Ertragslage zu drehen, findet hier keine Stütze. Der Produktivitätseffekt verteilt sich dagegen breit über die Verteilung, und auf diesen Teil lässt sich eine eigene Erwartung stützen.
Die Mehrheit nutzt KI. Niemand schöpft sie aus. Und der halbe Aufwand geht in die Daten.
Bitkom hat 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt: 57 Prozent setzen KI ein, nach 36 Prozent im Vorjahr. Zur Potenzialausschöpfung sagen 0 Prozent „vollständig“, 3 Prozent „eher stark“, 59 Prozent „überhaupt nicht“. Bei den Kostentreibern liegt die Datenaufbereitung mit 50 Prozent praktisch gleichauf mit Infrastruktur und Cloud. Eine zweite Erhebung unter 1.000 IT-Entscheidern in fünf Ländern kommt für Deutschland auf 49,7 Prozent des Projektaufwands für Datenbereinigung, den höchsten Wert der untersuchten Märkte, bei gleichzeitig höchster Einführungsquote und niedrigstem messbarem Ertrag.
Warum es zählt: Zwei unabhängige Erhebungen landen bei rund der Hälfte des Aufwands für Datenarbeit. Ein Projektplan, der diese Hälfte nicht ausweist, setzt entweder auf ungewöhnlich saubere Daten auf oder ist unvollständig. Dieselbe Position fehlte schon in der Transformationsstudie im August, wo 26,4 Prozent der Befragten die Datenqualität als größte unerwartete Hürde nannten. Unerwartet ist dabei das auffällige Wort.
58 Prozent testen KI-Agenten. Ein Prozent betreibt sie durchgängig.
Eine Befragung von Lünendonk und Hossenfelder unter 180 CIOs und Bereichsleitern im DACH-Raum zeichnet den Stand bei Agentic AI nach: 58 Prozent testen KI-Agenten in Pilotprojekten, 19 Prozent setzen sie in einzelnen Bereichen produktiv ein, 1 Prozent hat sie durchgängig über mehrere Kernprozesse integriert. Die aussagekräftigste Zahl betrifft die Überführung: Bei 66 Prozent der Unternehmen gelangt weniger als ein Viertel der pilotierten Agenten in den Produktivbetrieb. Die Studie trennt nicht nach Land oder Unternehmensgröße.
Warum es zählt: Die Durchfallquote ist die brauchbare Planungsgröße, nicht die Pilotquote. Wer vier Anwendungsfälle pilotiert, rechnet realistisch mit einem, der bleibt. Daraus folgt, Piloten klein und kurz zu halten statt ein halbes Jahr in einen einzelnen zu investieren. Und das eine Prozent mit durchgängiger Integration zeigt, wie viele Ende-zu-Ende-Versprechen aus Anbieterpräsentationen derzeit eingelöst werden.
→ cio.de / Lünendonk und Hossenfelder, „Agentic AI: vom Copiloten zum Autopiloten“
Drei Prozent der Industrieunternehmen halten sich für CRA-konform. Zwei Drittel haben ihre Produkte nicht eingestuft.
PwC hat 100 deutsche Unternehmen mit digitalem Produktportfolio befragt, zu zwei Dritteln Maschinen- und Anlagenbau. 88 Prozent kennen den Cyber Resilience Act, 19 Prozent verfügen über ein tiefes Verständnis, 3 Prozent halten sich für vollständig konform. 67 Prozent haben ihre Produkte nicht nach CRA-Sicherheitsrisiko eingestuft, 46 Prozent haben keine dedizierte Meldestelle, 36 Prozent erstellen keine Software-Stückliste. Betriebe unter 500 Beschäftigten liegen bei jedem Wert deutlich hinter den größeren. Die ENISA-Meldeplattform ist seit dem 11. September unter portal.cra-srp.enisa.europa.eu erreichbar, anders als eine Woche zuvor. Das BSI stellt klar: Eine Vorabregistrierung ist nicht nötig.
Warum es zählt: Die 46 Prozent ohne Meldestelle beschreiben ein Ein-Tages-Problem, denn eine Meldeadresse und eine benannte Person mit Vertretung lassen sich sofort einrichten, und seit dem 11. September sind sie Pflicht. Die fehlende Produktklassifizierung ist das größere Thema, weil ohne sie unklar bleibt, welche Anforderungen bis Dezember 2027 überhaupt gelten. Ein Testdurchlauf durch die Anmeldung auf der Plattform kostet eine halbe Stunde. Unter Zeitdruck ist der falsche Moment, um festzustellen, dass niemand ein EU-Login hat.
Bei ChatGPT lesen Menschen mit. Ob das Ihr Unternehmen betrifft, hängt am Kontotyp.
Eine Recherche von 404 Media auf Basis interner Unterlagen und eingesehener Chatverläufe beschreibt ein Vorhaben, das intern „Project Lily“ heißen soll. OpenAI beschäftigt demnach Hunderte externe Auftragnehmer, die echte Nutzerunterhaltungen lesen und die Antworten bewerten, teils vollständige Gesprächsverläufe samt einer Zusammenfassung der gespeicherten Nutzererinnerungen mit Kontext, Interessen und möglicherweise dem Standort. Bewertet werden Stil und Tonfall, nicht die sachliche Richtigkeit. Ein Filter soll persönliche Angaben entfernen, OpenAI räumt ein, dass dabei Fehler passieren. Entscheidend für Unternehmen ist die Kontoart: Bei ChatGPT Business, Enterprise, Edu und über die API werden Ein- und Ausgaben nach Unternehmensangaben standardmäßig nicht zur Modellverbesserung genutzt, bei Free, Plus und Pro ist die Verbesserung ab Werk eingeschaltet und muss in den Einstellungen abgeschaltet werden. Den Projektnamen hat OpenAI nicht bestätigt.
Warum es zählt: In der Bitkom-Erhebung der letzten Woche nutzten 76 Prozent der deutschen Unternehmen ChatGPT. Über welche Konten, weiß kaum jemand, weil private Zugänge selten in einer Lizenzliste stehen. Die Lage entscheidet sich an einer einzigen Angabe: Welchen Tarif nutzen Ihre Leute. Das ist in einer Abfrage beantwortet und kostet eine Stunde. Die Antwort bestimmt, ob Angebotstexte, Konstruktionsdetails und Personalfragen aus Ihrem Haus bei externen Prüfern landen können.
→ 404media.co / t3n.de
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