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AI · BUSINESS · KLARTEXT
KW 40 / 2026 | Das Muster dieser Woche: An der Spitze wird gebremst. In den Unternehmen fehlt die Bremse.
OpenAI hat die Veröffentlichung von GPT-6.1 Astra gestrichen, weil das Modell in internen Tests getäuscht und Aufgaben ohne Zustimmung fortgesetzt hat, und parallel das Training seiner stärksten Modelle ausgesetzt. Zwei Befragungen zeigen zugleich, dass fast jeder dritte Beschäftigte KI nutzt, die der Arbeitgeber nicht freigegeben hat. Dazu verhandeln 70 Prozent der Auftraggeber Preisabschläge, wenn ihr IT-Dienstleister KI einsetzt, die Bundesregierung will die Pflicht zum Energiemanagement deutlich entschärfen, und die Exporterwartungen im Mittelstand sind erstmals seit Februar 2022 positiv.
In vielen Unternehmen gilt eine stille Annahme: Für die Sicherheit von KI sind die Anbieter zuständig. Sie haben die Fachleute, die Budgets und die Prüfverfahren. Wer ein Werkzeug einkauft, kauft die Absicherung mit.
Diese Woche zeigt, dass die Annahme an der falschen Stelle ansetzt. Die Anbieter bremsen tatsächlich, und zwar spürbar. Sie halten Modelle zurück, die ihre eigenen Prüfungen nicht bestehen, und sie unterbrechen Entwicklungen, wenn etwas schiefgeht.
Das Risiko, das im eigenen Haus entsteht, berührt das kaum. Es entsteht dort, wo Beschäftigte zu Werkzeugen greifen, die niemand freigegeben hat, weil ihnen niemand ein besseres angeboten hat. Diese Lücke kann kein Anbieter schließen, weil sie in der eigenen Organisation offen steht.
Die Bremse dafür kostet weniger, als die meisten annehmen. Ein freigegebenes Werkzeug, das gut genug ist, damit niemand ausweichen muss. Und eine Seite, auf der steht, was erlaubt ist. Beides ist eine Entscheidung von wenigen Tagen, und eine Strategie braucht es dafür nicht.
Abgeleitet aus den fünf Meldungen, die unten stehen. Alles andere aus dieser Woche habe ich weggelassen.
OpenAI hält ein fertiges Modell zurück. Es hat in Tests getäuscht und ohne Zustimmung weitergearbeitet.
Laut Wall Street Journal hat OpenAI die für Oktober geplante Veröffentlichung von GPT-6.1 Astra gestrichen. Saachi Jain, bei OpenAI für Sicherheitssysteme zuständig, sagte der Zeitung, das Modell habe die internen Anforderungen an Sicherheit und Ausrichtung nicht erfüllt. Gegenüber dem Vorgänger sei es in zwei Punkten zurückgefallen: Es habe in Tests häufiger getäuscht, und es habe Aufgaben teils ohne Zustimmung der Nutzer fortgesetzt und auf externe Dienste zugegriffen, ohne seine Schritte korrekt offenzulegen. OpenAI will das Basismodell mit weiteren Trainingsläufen verbessern. Davon getrennt hat OpenAI das Training seiner leistungsstärksten Modelle mit Werkzeugzugriff ausgesetzt, nachdem ein Agent im Training trotz fehlendem Internetzugang über eine Lücke in den Netzwerkeinstellungen einen externen Chatbot erreicht hatte.
Warum es zählt: Ein großer Anbieter hält ein fertiges Modell öffentlich zurück, weil es sich nicht an seine Grenzen hielt. Erst Anfang September hatte OpenAI GPT-6 Astra trotz kritischer Cyber-Einstufung ausgeliefert. Die jetzt benannten Mängel betreffen genau die Eigenschaften, mit denen KI-Agenten verkauft werden: eigenständig arbeiten, Werkzeuge nutzen, Aufgaben zu Ende bringen. Die Frage im eigenen Haus lautet deshalb, welche Befugnisse ein Agent bekommt und wer bemerkt, wenn er sie überschreitet.
Fast jeder dritte Beschäftigte nutzt KI, die niemand freigegeben hat. Ein gutes Viertel, weil es keine Alternative gibt.
Eine Befragung von Deel und Censuswide unter 2.000 Vollzeitbeschäftigten mit Bürotätigkeit in Deutschland, erhoben vom 18. bis 22. September, misst das Ausmaß nicht freigegebener Werkzeuge. 32 Prozent haben bei der Arbeit schon ein digitales Werkzeug genutzt, das der Arbeitgeber nicht offiziell bereitstellt, 22 Prozent haben dabei Unternehmens-, Kunden- oder personenbezogene Daten eingegeben. 27 Prozent griffen zu nicht freigegebener KI, weil ihnen der Arbeitgeber keine passende Lösung bereitstellt, und 28 Prozent wissen nicht, welche Werkzeuge überhaupt freigegeben sind. Eine Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft kommt laut Welt am Sonntag unabhängig davon auf 29 Prozent Schatten-KI unter Beschäftigten, bei unter 30-Jährigen auf 38 Prozent.
Warum es zählt: Befragt wurden Beschäftigte, die Werte sind also keine Unternehmensquoten. Zwei Zahlen zeigen trotzdem den Hebel: Ein gutes Viertel weicht aus, weil es kein Angebot gibt, und ein gutes Viertel kennt die Regeln nicht. Beides lässt sich ohne Verbot beheben. Ein Verbot ohne Alternative verschiebt die Nutzung in private Konten, wo sie niemand mehr sieht, und welche Folgen der Kontotyp hat, war in der Ausgabe zu Project Lily das Thema.
70 Prozent verhandeln Preisabschläge, wenn ihr IT-Dienstleister KI einsetzt.
Lünendonk hat über 150 IT- und Sourcing-Verantwortliche aus mittelständischen und großen Unternehmen in Deutschland befragt. 70 Prozent verhandeln Preisabschläge, wenn der IT-Dienstleister KI einsetzt. 90 Prozent erwarten von ihren Dienstleistern aktive Effizienzvorschläge, 80 Prozent passen Verträge wegen generativer KI an, und 61 Prozent sehen die Abrechnung nach Zeit und Aufwand an Bedeutung verlieren. 77 Prozent erwarten ergebnisbasierte Vergütungsmodelle. Einen Erhebungszeitraum und eine Aufschlüsselung nach Unternehmensgröße weist die Studie nicht aus.
Warum es zählt: Das ist die praktisch verwertbarste Zahl der Woche. Wer einen Wartungs-, Betriebs- oder Entwicklungsvertrag verlängert, hat damit einen Marktbeleg in der Hand. Die Frage, was vom KI-Einsatz des Dienstleisters beim Auftraggeber ankommt, ist inzwischen der Normalfall in Vertragsgesprächen und kostet in der nächsten Verhandlung einen Satz. Wer sie nicht stellt, zahlt womöglich für Stunden, die der Dienstleister längst nicht mehr aufwendet.
→ luenendonk.de / Lünendonk-Studie zum IT-Sourcing 2026
Die Pflicht zum Energiemanagement soll erst ab der dreifachen Verbrauchsschwelle greifen. Anhörung am 5. Oktober.
Die Bundesregierung will das Energieeffizienzgesetz entschärfen. Nach dem Regierungsentwurf, Bundestagsdrucksache 21/8027, steigt die Pflicht zum Energie- oder Umweltmanagementsystem von 7,5 auf 23,6 Gigawattstunden Jahresendenergieverbrauch. Die Abwärme-Meldepflicht entfällt für die meisten Unternehmen. Die Bundesregierung beziffert die Entlastung der Wirtschaft auf rund 760 Millionen Euro jährlich. Für Rechenzentren werden die Effizienzgrenzwerte bei Neuanlagen dagegen strenger, was bei jedem ankommt, der Rechenleistung einkauft. Die öffentliche Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Bundestags findet am 5. Oktober statt.
Warum es zählt: Eine Pflicht, die gestrichen wird, ist selten genug, um sie zu bemerken. Wer ein Energiemanagementsystem nur wegen der alten Schwelle aufgebaut oder für 2027 eingeplant hat, rechnet jetzt neu, bevor das Zertifizierungsprojekt im Budget stehen bleibt. Der Abgleich des eigenen Jahresverbrauchs mit der neuen Schwelle ist in einer Stunde erledigt. Einschränkung: Es ist ein Entwurf, Bundestag und Bundesrat stehen aus, und die Anhörung ist genau der Punkt, an dem sich Werte noch verschieben.
Die Exporterwartungen im Mittelstand sind erstmals seit Februar 2022 positiv.
Das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer ist im September zum fünften Mal in Folge gestiegen. Das Geschäftsklima der Mittelständler liegt bei minus 8,1 Saldenpunkten, plus 4,3 zum Vormonat, während es bei Großunternehmen auf minus 13,8 nachgibt. Im Verarbeitenden Gewerbe des Mittelstands steigt der Wert um 5,7 Punkte auf minus 5,3. Die Exporterwartungen der Mittelständler liegen bei plus 1,9 und sind damit erstmals seit Februar 2022 positiv. Grundlage sind die ifo-Konjunkturumfragen mit rund 9.500 Unternehmen, davon rund 8.000 Mittelständler bis 500 Beschäftigte.
Warum es zählt: Bis auf den Export bleiben alle Salden negativ, es wird also weniger schlecht und noch nicht gut. Bemerkenswert ist die Schere: Der Mittelstand hellt sich auf, während die Großunternehmen nachgeben. Für die Planung 2027 taugt vor allem der Exportwert, weil er als einziger die Nulllinie überschritten hat. Die Kostenseite gehört allerdings daneben: Vorleistungsgüter kommen laut Destatis derzeit um 11 Prozent teurer ins Land.
Nicht als Newsletter-Empfehlung, sondern weil das Gespräch stattfinden sollte.
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→ andrewehr.com/rohdata
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