• KW 42 – 2026: Das Budget 2027 enthält unterschiedliche Wahrheiten

    André Wehr

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    AI · BUSINESS · KLARTEXT

    André Wehr  ·  Managing Partner & Lead Data Architect, tractionwise GmbH

    KW 42 / 2026 | Das Muster dieser Woche: Eine Kostenzahl für 2027 enthält mehrere Bewegungen mit unterschiedlicher Richtung.

    WOCHENBLICK

    Die Woche fällt mitten in die Budgetplanung, und fast jede Meldung verändert eine Zeile darin. Die Netzbetreiber haben die vorläufigen Netzentgelte für 2027 veröffentlicht, gestützt auf einen Zuschuss, der gesetzlich noch nicht abgesichert ist. Die Inflation erreicht den höchsten Stand seit Ende 2023, getrieben fast allein von Kraftstoffen und Heizöl. Microsoft entkoppelt Copilot vom Basisabonnement, an Asiens Börsen wächst der Zweifel, ob sich die KI-Milliarden rechnen, und bei Anthropic zeigt sich, was passiert, wenn Agenten den Großteil des Codes schreiben.

    ZUM MITNEHMEN

    Im Oktober entsteht in vielen Unternehmen das Budget für das kommende Jahr, und meistens nach demselben Verfahren: die Zahlen des laufenden Jahres, dazu ein Aufschlag für die Teuerung. Das ist schnell gemacht und lässt sich gut verteidigen.

    Diese Woche zeigt, warum das Verfahren gerade wenig taugt. In einer einzigen Kostenposition stecken Bewegungen, die in verschiedene Richtungen laufen. Manches wird strukturell teurer und bleibt es. Manches springt kurz und fällt wieder. Und manches wird billiger, ohne dass es jemand bemerkt, weil es in der Fortschreibung nicht vorkommt.

    Wer alles mit einem Aufschlag versieht, überschätzt das Vorübergehende, übersieht das Dauerhafte und verpasst die Stellen, an denen der Einstieg gerade günstiger wird.

    Der Mehraufwand ist überschaubar. Drei Fragen je größerer Position genügen: Ist die Bewegung dauerhaft oder vorübergehend, ist sie beschlossen oder noch offen, und wird irgendwo etwas billiger. Das ist ein halber Tag Arbeit, und er entscheidet darüber, ob das Budget im März noch stimmt.

    Abgeleitet aus den fünf Meldungen, die unten stehen. Alles andere aus dieser Woche habe ich weggelassen.

    #1  INFRASTRUKTUR · DACH

    Die Netzentgelte für 2027 stehen, vorläufig. Eingerechnet ist ein Zuschuss, den der Bundestag noch nicht beschlossen hat.

    Die vier Übertragungsnetzbetreiber haben ihre vorläufigen Entgelte für 2027 veröffentlicht. Auf der obersten Netzebene steigt das Entgelt von 2,86 auf 3,54 Cent je Kilowattstunde. Eingerechnet ist ein Bundeszuschuss von 5,525 Milliarden Euro, knapp eine Milliarde weniger als 2026. Ohne ihn läge der Wert bei 6,52 Cent. Das Gesetz dazu hat der Bundestag noch nicht verabschiedet. Fehlt die Rechtssicherheit bis zum 7. Dezember, steigen die endgültigen Entgelte nach Angabe der Netzbetreiber entsprechend. Seit dem 15. Oktober liegen auch die vorläufigen Preisblätter der regionalen Verteilnetzbetreiber vor, und die Unterschiede zwischen den Netzgebieten sind erheblich.

    Warum es zählt: Auf der Stromrechnung kommt die Steigerung nicht eins zu eins an, weil die oberste Netzebene nur ein Teil der Netzkosten ist. Erste Auswertungen zeigen, dass größere Betriebe am Mittelspannungsnetz eher mehr zahlen als kleine. Zwei Dinge sind jetzt erledigbar: das vorläufige Preisblatt des eigenen Netzbetreibers abrufen, und für 2027 zwei Szenarien rechnen, mit und ohne Zuschuss. Auf der obersten Ebene liegt die Differenz bei fast drei Cent je Kilowattstunde.

    →  zfk.de  /  cleverwatt.energy

    #2  PRAXIS · DACH

    Die Inflation liegt bei 3,3 Prozent. Ohne Energie ist sie seit drei Monaten unverändert.

    Die Verbraucherpreise sind im September um 3,3 Prozent gestiegen, so stark wie seit Dezember 2023 nicht. Der Anstieg kommt fast vollständig aus der Energie, und auch dort nicht aus allen Positionen: Kraftstoffe und Heizöl sind deutlich teurer geworden, Strom und Gas dagegen günstiger als vor einem Jahr. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel liegt seit Juli unverändert bei 2,4 Prozent. Eine Stufe davor sieht es anders aus: Im Großhandel sind die Preise im Jahresvergleich um 8,7 Prozent gestiegen, getrieben von Mineralöl, Metallen und Chemie, und Computer samt Zubehör kosten zweistellig mehr. Der Tankrabatt seit dem 1. Oktober steckt in den Zahlen noch nicht.

    Warum es zählt: Wer das Budget 2027 mit einem pauschalen Aufschlag von gut drei Prozent fortschreibt, überschätzt den Druck in den meisten Einkaufspositionen und unterschätzt ihn an zwei Stellen. Die erste sind Kraftstoffe und Frachten. Die zweite ist IT-Hardware, bei der die Großhandelspreise noch über den Verbraucherpreisen liegen, die Weitergabe also noch läuft, wie es sich bei den Speicherpreisen im September schon abzeichnete. Für beide lohnt ein eigener Ansatz im Budget, und bei der Hardware eine Bestellung vor dem Jahreswechsel.

    →  destatis.de, Verbraucherpreise  /  destatis.de, Großhandelspreise

    #3  VENDOR · DATA STACK

    Copilot gibt es ab Dezember ohne Microsoft-365-Abo. Für den Umzug von Datenbanken kommen befristete Nachlässe.

    Ab dem 1. Dezember sind Microsoft 365 Copilot und Copilot Business ohne passendes Microsoft-365-Basisabonnement kaufbar, zum selben Preis wie bisher. Bisher musste jeder Nutzer eine solche Lizenz darunter haben. Bestehende Abonnements laufen unverändert weiter. Ab dem 2. November gewährt Microsoft im Partnerkanal außerdem befristete Nachlässe auf den Verbrauch in Azure: bis zu 30 Prozent für Kunden, die lokale SQL-Server-Datenbanken in die Cloud verlagern, und bis zu 20 Prozent für Unternehmen, die erstmals Microsoft Fabric nutzen. Ein Enddatum nennt Microsoft nicht. Die nutzungsabhängige Abrechnung für Copilot Business bleibt in Deutschland zunächst ausgenommen.

    Warum es zählt: Damit wird ein Pilot in einer einzelnen Abteilung rechenbar, ohne vorher die gesamte Lizenzlandschaft zu vereinheitlichen. Wer einen Copilot-Kauf plant, für den sonst ein Basisabonnement nötig wäre, gewinnt mit einem Warten bis Dezember. Die Nachlässe kommen über den Reseller und nicht automatisch, die brauchbare Frage an ihn lautet, welche Aktion für den eigenen Fall gilt und bis wann. Billiger wird damit der Einstieg. Die Arbeit an den Daten, die eine Plattform erst nützlich macht, wird es nicht.

    →  learn.microsoft.com  /  Microsoft Partner Center Announcements, 12. und 14. Oktober

    #4  VENDOR · PRAXIS

    Asiens Börsen fragen, ob sich die KI-Milliarden rechnen. Im Mittelstand stand diese Frage schon immer am Anfang.

    Am 15. Oktober sind die Börsen in Südkorea und Japan eingebrochen. Der südkoreanische Leitindex verlor 7,6 Prozent, der Handel wurde zeitweise ausgesetzt, der Nikkei fiel um knapp 5 Prozent. Am härtesten traf es Chiphersteller und Konzerne, die den Ausbau von KI-Rechenzentren finanzieren. Auslöser waren unerwartet hohe US-Inflationsdaten und Berichte über die Verschuldung des US-Cloudanbieters CoreWeave. Analysten beschreiben eine Verschiebung: Anleger fragen weniger, wie viel in KI investiert wird, und mehr, ob sich die Ausgaben rechnen und dauerhaft finanzieren lassen. Am Folgetag erholten sich die Kurse teilweise.

    Warum es zählt: Für einen Mittelständler ist der Aktienkurs eines Chipherstellers kein Budgetposten. Die Frage, die die Märkte jetzt stellen, ist es schon: Lohnt sich die Ausgabe, und hält die Finanzierung. Im Mittelstand stand sie bei KI meist von Anfang an im Raum, was lange als Zögern galt und sich jetzt als die belastbarere Haltung erweist. Für die Anbieterwahl 2027 folgt daraus eine zweite Frage: Wie solide ist der Dienst finanziert, auf dem die eigene KI-Anwendung läuft, und was passiert mit Daten und Verträgen, wenn er ausfällt. Ein dokumentierter Wechselweg kostet heute einen Tag, im Ernstfall Monate.

    →  heise.de  /  marketscreener.com

    #5  MODELLE · PRAXIS

    Bei Anthropic entsteht zwölfmal so viel Code wie im Mai. Der Engpass ist jetzt die Prüfung.

    Anthropic hat am 13. Oktober beschrieben, warum das Unternehmen sein Versionskontrollsystem ersetzt hat. Im Mai wurden im zentralen Code-Repository rund 2.500 Änderungen pro Tag übernommen, im September über 30.000, vor allem durch KI-Agenten. Git kam damit nicht mehr mit. Ein Team von sieben Leuten hat in fünf Monaten ein eigenes System gebaut, Scion, und das Repository umgezogen. Geprüft wird jede Änderung weiterhin, aber stärker auf ihre Absicht als Zeile für Zeile, und Tests laufen nach der Zusammenführung. Scion ist nicht öffentlich. Anthropic erwartet, dass andere Unternehmen in sechs bis zwölf Monaten vor denselben Problemen stehen.

    Warum es zählt: Für ein mittelständisches Unternehmen ist das System selbst ohne Belang, die Verschiebung dahinter nicht. Wenn Code schneller entsteht, wird alles zum Engpass, was für menschliches Tempo gebaut wurde: Reviews, Freigaben, Abnahmen. Wer Software von einem Dienstleister bezieht, der mit Agenten arbeitet, spürt das zuerst in der eigenen Abnahme. Ins Budget 2027 gehört deshalb Prüfkapazität auf der eigenen Seite, und in die Vertragsverhandlung die Frage, wie sich der KI-Einsatz des Dienstleisters im Preis niederschlägt. Darüber verhandeln laut Lünendonk inzwischen sieben von zehn Auftraggebern.

    →  heise.de  /  simonwillison.net

    ● ● ●   KLARTEXT-FRAGE
    Welche Position in Ihrem Budget 2027 beruht auf einem Wert, der bis heute nicht beschlossen ist?
    Wenn diese Frage bei Ihnen etwas ausgelöst hat, leiten Sie diese Ausgabe weiter.
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    → andrewehr.com/rohdata

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