• KW 05 – 2026: Offene Datenarchitektur wird Realität. Und Datensouveränität auch

    André Wehr

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    AI · BUSINESS · KLARTEXT

    André Wehr  ·  Managing Partner & Lead Data Architect, tractionwise GmbH

    KW 05 / 2026  —  Das Muster dieser Woche:  Offene Datenarchitektur wird Realität. Und Datensouveränität auch.

    WOCHENBLICK

    Diese Woche ist keine Modell-Release-Woche. Sie ist eine Infrastrukturwoche — und genau deshalb wichtig. Während die KI-Debatte in Davos die geopolitische Dimension von Datenkontrolle auf die Agenda setzt, lösen Microsoft und Snowflake still und technisch präzise ein Problem, das Data-Teams seit Jahren beschäftigt: Wie lassen sich zwei dominante Plattformen so verbinden, dass Daten wirklich nur einmal existieren müssen? Die Antwort lautet Apache Iceberg. Und sie verändert, wie Datenstacks künftig gebaut werden.

    #1  DATA STACK · INFRASTRUKTUR

    Snowflake und OneLake sprechen jetzt nativ miteinander. Kein ETL. Keine Kopie.

    Mit Snowflake Release 10.2 (26.–30. Januar) unterstützt Snowflake Microsoft Fabric OneLake offiziell als externen Stage-Speicher. Kurz darauf, am 3. Februar beim Snowflake BUILD in London, folgt die GA-Ankündigung: Bidirektionale Iceberg-Interoperabilität ist generell verfügbar. Snowflake-verwaltete Iceberg-Tabellen können nativ in OneLake gespeichert werden, Fabric-Daten sind direkt aus Snowflake lesbar — über denselben physischen Datensatz, ohne Replikation, ohne separate ETL-Pipeline.

    Warum es zählt: Die meisten DACH-Unternehmen, die ernsthaft mit Daten arbeiten, haben inzwischen beide Welten: Microsoft Fabric für Power BI, M365-Integration und Business-Analytics — und Snowflake oder Databricks für anspruchsvollere Data Engineering-Workloads. Die Verbindung zwischen beiden war bisher teuer, fragil und duplizierend. Zero-Copy-Interoperabilität über Apache Iceberg löst dieses Problem auf Architekturebene. Das ist kein Feature-Update — das ist die Grundlage für ein neues Architekturmuster, das Multi-Platform ohne Multi-Copy erlaubt.

    →  docs.snowflake.com

    #2  GOVERNANCE · DATA STACK

    Microsoft definiert, wie Datensicherheit engine-übergreifend funktionieren soll.

    Am 29.–30. Januar veröffentlicht Microsoft zwei aufeinander aufbauende Signale: Outbound Access Protection geht für Spark in GA und wird auf Pipelines, Shortcuts und Mirrored Databases (inkl. Mirrored Snowflake) ausgeweitet. Gleichzeitig erscheint das Whitepaper „The future of data security is interoperability“ — Kernthese: Sicherheitsrichtlinien sollen einmal in OneLake definiert und automatisch von allen Engines (Spark, SQL Endpoint, Power BI, Shortcuts) durchgesetzt werden, ohne separates Regelwerk pro System.

    Warum es zählt: Das eigentliche Governance-Problem in Multi-Engine-Datenstacks ist nicht die Technologie — es ist die Fragmentierung der Sicherheitsmodelle. Wer heute Snowflake, Databricks und Fabric betreibt, pflegt de facto drei parallele Zugriffsmodelle. Das Konzept interoperabler Security, das Microsoft hier skizziert, ist der erste ernsthafte Versuch, das auf Plattformebene zu lösen. Für Unternehmen, die auf EU-Compliance und DSGVO-konforme Datenarchitekturen angewiesen sind: Das ist die Richtung, die künftig Audit-Fähigkeit skalierbar macht.

    →  blog.fabric.microsoft.com

    #3  GOVERNANCE · DACH

    Davos 2026: Datensouveränität ist keine IT-Frage mehr. Sie ist Geopolitik.

    Das World Economic Forum schließt seine Jahrestagung (20.–24. Januar) mit einem klaren Signal: Sovereign AI dominiert die strategische Agenda. Jensen Huang erklärt KI-Infrastruktur zum nationalen Grundrecht wie Strom und Straßen. WEF und Bain & Company veröffentlichen „Rethinking AI Sovereignty“ — Kernthese: Souveränität bedeutet nicht Isolation, sondern strategische Interdependenz mit kontrollierten Partnerschaften. Microsoft-CEO Nadella und BlackRock-CEO Fink diskutieren Data Sovereignty als Investitionsrisiko. Das Davos-Protokoll: Regulierungsfragmentierung über 20 Jurisdiktionen ist die größte ungelöste Frage für global operierende Unternehmen.

    Warum es zählt: Was Davos in diesem Jahr deutlicher als je zuvor ausspricht: Wer seine Daten auf US-Cloud-Infrastruktur betreibt, trifft damit eine geopolitische Entscheidung — nicht nur eine technische. Für den DACH-Mittelstand ist das keine abstrakte Policy-Frage. Sie bestimmt, welche Kunden Sie in regulierten Branchen gewinnen können, welche Ausschreibungen Sie gewinnen dürfen und ob Ihre Datenarchitektur in drei Jahren noch ohne Umbau compliant ist. Die Items #1 und #2 dieser Ausgabe sind die technische Antwort auf genau diese strategische Frage.

    →  weforum.org

    KERNAUSSAGE

    Die drei Items dieser Woche erzählen dieselbe Geschichte auf drei Ebenen: technisch, architektonisch und geopolitisch. Offene Standards wie Apache Iceberg machen Multi-Platform-Datenstacks ohne Datenduplizierung möglich. Interoperable Security-Modelle machen diese Stacks governance-fähig. Und Davos erklärt, warum beides jetzt strategische Priorität hat — nicht weil es bequem ist, sondern weil die Alternative, nämlich vollständige Abhängigkeit von einem einzigen US-Hyperscaler, politisch und regulatorisch riskanter wird. Wer heute Datenstacks baut, baut implizit eine Position in dieser Debatte.

    ● ● ●   KLARTEXT-FRAGE
    Wenn morgen das EU-US Data Privacy Framework kippt — haben Sie eine Architektur, die das aushält? Oder hängt Ihre Compliance an einem Executive Order, den ein US-Präsident per Tweet rückgängig machen kann?
    Wenn eine dieser Fragen bei Ihnen etwas ausgelöst hat — leiten Sie diese Ausgabe weiter.
    Nicht als Newsletter-Empfehlung, sondern weil das Gespräch stattfinden sollte.

    rohdata erscheint wöchentlich. Kein Hype. Keine Werbung. Nur das was zählt.