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Raus aus dem Anrede-Dilemma von Du oder Sie in Marketing und Sales

Ansprache Du oder Sie
 
Siezt Du noch oder duzen Sie schon?
 
In Marketing und Vertrieb läuft nichts ohne Kommunikation. So werden täglich unendlich viele Mails versendet, Telefonate geführt, Kampagnen gestrickt usw. Gerade wenn die Kontaktperson einem nicht direkt gegenübersitzt, weil sie regional in einer ganz anderen Ecke des deutschsprachigen Raums aktiv ist, sind Fettnäpfchen in der Anrede fast schon vorprogrammiert.

So hat Bastian Sick in der Zwiebelfisch-Kolumne des Spiegels auch die Gründe hinter dem „Du“ bei IKEA ein wenig tiefer beleuchtet. Wenn es Dir schonmal aufgefallen ist, wirst Du dort ja fast ständig und überall geduzt. Keine Form von lockeren Manieren oder neuen Kumpeldenkens. Der Grund ist IKEA’s Imagekampagne. Schweden duzen sich ganz selbstverständlich untereinander. Und so möchte man auch dem deutschen Kunden das Gefühl von typisch schwedischer „Snörrigkeit“ vermitteln. Dabei stutzen möglicherweise die Kunden ab Mitte vierzig, wenn sie den Werbespruch „Wohnst du noch, oder lebst du schon?“ hören. Dieser ist aber eine clevere und frische Provokation und ausgerichtet auf eine jüngeren Zielgruppe.


Regionale Besonderheiten

Gerade wer selbst mit Menschen aus ganz Deutschland zu tun hat, wunderte sich vielleicht mal im sprachlichen Umgang, hatte aber vielleicht noch nicht von diesen speziellen regionalen Besonderheiten gehört.

Hamburger Sie

Eine spezielle Form der Anrede, bei der man die andere Person beim Vornamen nennt und dazu siezt. Als Beispiel: „Max, können Sie sich das bitte mal ansehen?“. Es stellt sozusagen einen Mittelweg für die Kontakte dar, bei denen man sich einerseits noch nicht vertraut genug für ein „Du“ ist, aber andererseits die Anrede mit dem Nachnamen als zu distanziert empfunden wird.

Münchner Du

 Die Münchner Form ist mehr oder weniger die entgegengesetzte Fassung, des Hamburger Sie. So hört man schon mal beispielsweise: “Frau  Müller, kannst Du mir bitte mal den Ausdruck geben?”

Berliner Er

In Berlin herrscht zum Teil eine andere Form der Anrede vor. Diese wurde früher im deutschsprachigen Raum allgemein als mögliche Anredeform gegenüber Untergebenen oder Rangniedrigeren Personen verwendet. Ein Beispiel: „Hattse denn die fümf Euro nich’n bisken kleena?“ („Hat sie denn die fünf Euro nicht ein bisschen kleiner?“.


Branchen-spezifische Besonderheiten

Ich selbst hatte das Glück, bereits total unterschiedliche Branchen in den letzten Jahren kennenlernen zu dürfen. Im Militärischen beispielsweise ist das „Sie“ in der Anrede ein Standard und wird so schnell auch nicht geändert. Wohingegen es in intimeren, kleineren Branchen schon eher nachteilig ist, ein „Sie“ zu verwenden, weil man sich sehr schnell als ein Branchen-Neuling oder eben eine Person outet, die nicht so wirklich hier rein gehört.
Meine eigene Lesson Learned ist hier in den vergangenen Monaten in der TV-Produktion. Nahezu jeder verwendet das Du und so bedeutet es, möchtest Du hier Traction erreichen, dann sprich die Kundensprache.
 

Gründe für das Du

Béa Beste von Edition F hat ein paar griffige Gründe für das Duzen aufgeführt.

1. Es macht uns alle zu „nur Menschen“

Das „Sie“ in der Kommunikatioon betont eine gewisse Distanz und Hierarchie. Brauchen wir das überhaupt? Können wir nicht gleichwertig sein, egal, ob reicher, erfahrener, schöner, besser, leistungsfähiger oder einfach nur älter? 

2. Alte Sitten sind nicht immer wertvoll

Unsere Kultur geht mit der Zeit und entwickelt sich stets weiter. Es gibt Erhaltenswertes und weniger Erhaltenswertes. So könnten wir getrost auch auf das formale „Sie“ verzichten.

3. Es ist internationaler

Weltweit setzt die internationale Kommunikation auf den gemeinsamen Nenner Englisch. Da gibt es nur eine Anrede. Sobald man sich erst einmal auf Vornamen geeinigt hat, was sehr schnell geht, macht es die Welt einfacher. Und der Vorteil ist: Man kommt damit schneller ins Verständigen. Und darum sollte es doch gehen.  

4. Es ist unkomplizierter und entspannter

Unsere Welt könnte so viel einfacher, unproblematischer und menschlicher sein, wenn wir mit kindlicher Verspieltheit an unsere zwischenmenschlichen Beziehungen herangehen würden. 

5. Es eliminiert Taktieren und politisches Verhalten

In Unternehmen, Organisationen und komplexeren sozialen Systemen führen unterschiedliche Anreden zum Verschwenden von Ressourcen. Dabei könnte ein Fokus auf die eigentliche Arbeit stattfinden anstatt sich regelmäßig zu fragen: „Mag der mich nicht?“, „Will die was von mir?“

6. Es passt zu unserem Medienverhalten

Social Media beschleunigt uns, lässt uns demokratischer, unkomplizierter und gleichberechtigter werden. Da passt einfach nur eine Anredeform für alle.


Gründe für das Sie

1. Es ist der deutschsprachige Standard für eine Gesprächsaufnahme

Du kannst jede Kommunikation ohne schlechtes Gewissen erstmal mit einem „Sie“ starten, wenn es zeitlich vielleicht schnell gehen soll.

2. Eine gewisse Distanz bleibt gewahrt

Dein Kunde oder der Ansprechpartner im B2B soll gar nicht unbedingt zu Deinem besten Freund werden. Mit dem „Sie“ schaffst Du eine gesunde Distanz zwischen Euch.


Fazit

In der Business-Welt ist es mehr denn je erforderlich, sich intensiv mit denjenigen Menschen auseinanderzusetzen, die bereits oder später Dein Produkt oder deinen Service kaufen. Sprich mit Deinen Kunden, finde heraus wie sie untereinander kommunizieren und Du lernst wie sie auch mit Dir sprechen möchten. Hast Du verschiedene Kundensegmente, dann kann es daher auch erforderlich sein, dass Du unterschiedliche Anredeformen verwendest. Finde es heraus.
 

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